GRAFCET-Symbole und Regeln
Hier erfährst du alles über die standardisierten Bausteine nach DIN EN 60848, damit du deine Abläufe präzise und normgerecht planen kannst.
Anfangsschritt
Der Anfangsschritt markiert den Zustand, in dem sich die Steuerung direkt nach dem Starten der Anlage (oder nach einem Reset) befindet.
Schritt
Ein Schritt repräsentiert einen Zustand im Prozess. Während ein Schritt aktiv ist, werden ihm zugeordnete Aktionen ausgeführt. Ein Schritt wird erst verlassen, wenn die darauf folgende Transition erfüllt ist.
Transition
Die Transition ist die Weiterschaltbedingung. Sie enthält die Bedingung (rechts der Transition), die erfüllt sein muss, damit der Prozess vom vorherigen zum nächsten Schritt springt. Links kann optional ein Name für die Transition vergeben werden.
Transitions-Syntax
BG1Einzelne Bedingung (TRUE/FALSE)BG1 * BG2UND-VerknüpfungBG1 + BG2ODER-Verknüpfung!BG1Negation (wird automatisch zur normkonformen Darstellung umgewandelt)(a + b) * cKlammern↑BG1Steigende Flanke↓BG1Fallende Flanke5s/X1Einschaltverzögerung (5s nach Schritt 1)sensor/3sAusschaltverzögerung (3s nach fallender Flanke)X1Schrittabfrage (Schritt 1 aktiv?)[C1<5]Analoger Vergleich in eckigen Klammern (Zähler < 5)1Immer wahr (DIN EN 60848)Quelltransition
Mit dieser Transition kann ein GRAFCET gestartet werden und es wird somit kein Schritt benötigt.
Schlusstransition
Diese Transition schließt ein GRAFCET ohne nachfolgenden Schritt ab.
Kontinuierliche Aktion
Diese Aktion ist so lange aktiv, wie der zugehörige Schritt aktiv ist. Sobald der Schritt verlassen wird, endet die Aktion sofort.
Kontinuierliche Aktion mit Zuweisungsbedingung
Diese Aktion ist nur aktiv, solange der zugehörige Schritt aktiv ist UND eine zusätzlich angegebene Bedingung (hier SJ2) erfüllt ist.
Zeitverzögerte Aktion
Die Aktion wird nicht sofort beim Aktivieren des Schritts ausgeführt, sondern erst nach Ablauf der angegebenen Zeit (links der Bedingung) gestartet. Möchte man eine Ausschaltverzögerung der Aktion erreichen, so muss man eine Zeit rechts der Bedingung angeben.
Zeitbegrenzte Aktion
Die Aktion startet sofort mit dem Schritt, wird aber nach Ablauf der Zeit automatisch beendet, auch wenn der Schritt noch länger aktiv bleibt.
Speichernde Aktion bei Aktivierung
Die Aktion mit Pfeil nach oben bedeutet, dass die Variable bei steigender Flanke (also bei Aktivierung des Schritts) beschrieben und gespeichert wird. Es muss ":=" für die Zuweisung verwendet werden.
Aktions-Syntax
MotorVariable aktiv solange Schritt aktivK1 := 1Variable auf 1 setzenK1 := K1 + 1Zähler hochzählenSpeichernde Aktion bei Deaktivierung
Die Aktion mit Pfeil nach unten bedeutet, dass die Variable bei fallender Flanke (also bei Deaktivierung des Schritts) beschrieben und gespeichert wird. Es muss ":=" für die Zuweisung verwendet werden.
Speichernde Aktion bei Ereignis
Diese Aktion mit einem Fähnchen beschreibt und speichert eine Variable, wenn der verbundene Schritt aktiv ist UND das Ereignis eine steigende bzw. fallende Flanke liefert. Anders als bei den vorherigen speichernden Aktionen wartet diese Aktion auf das Eintreten eines definierten Ereignisses.
Kommentare
Um die Verständlichkeit eines GRAFCETs zu verbessern, können Kommentare frei ergänzt werden. Diese müssen in Anführungszeichen angegeben werden.
Rückführung
Im GRAFCET verläuft die Wirkrichtung standardmäßig von oben nach unten. Der Pfeil nach oben kennzeichnet eine Rückführung, also einen Sprung zurück zu einem früheren Schritt.
Sprung
Springe zu einem vorherigen Schritt zurück. Gleichbedeutend mit der Rückführung. Hier wird zurück zum Schritt 7 gesprungen.
Alternative Verzweigung
Mit dieser Verzweigung kann der Ablaufpfad in mehrere aufgeteilt werden und nur der benötigte Pfad abgearbeitet werden.
Parallele Verzweigung
Mit dieser Verzweigung kann der Ablaufpfad in mehrere aufgeteilt werden, jedoch werden hierbei dann alle Pfade gleichzeitig abgearbeitet.
Makroschritt
Der Makroschritt fasst eine Folge von Schritten und Transitionen zu einem einzigen Symbol zusammen. Im Vergleich zu einem einschließenden Schritt muss der im Makroschritt enthaltene Ablauf vollständig abgearbeitet werden.
Einschließender Schritt
Der einschließende Schritt fasst ein oder mehrere Teil-GRAFCETs zusammen. Wird der Schritt aktiv, werden verknüpfte Einschließungen aktiv und die enthaltenen Teil-GRAFCETs abgearbeitet. Ist der einschließende Schritt nicht mehr aktiv, so werden alle Teil-GRAFCETs deaktiviert.
Einschließung
Dieser Rahmen dient zur Erstellung der Einschließungen eines einschließenden Schrittes. Hier ist die Nummer der Einschließung „1“ und der Name der Einschließung „G1“.
Zwangssteuernder Befehl
Dieser Befehl zwingt ein anderes GRAFCET unmittelbar in einen definierten Zustand und setzt dessen Logik außer Kraft. Hier wird das GRAFCET in der Einschließung G1 beim Schritt 4 aktiviert.
Befehlssyntax
G1 {}Alle Schritte in Einschließung G1 deaktivierenG1 {4}Nur Schritt 4 in Einschließung G1 aktivierenG1 {*}Aktuellen Schritt in G1 einfrieren – kein Weiterschalten möglichG1 {INIT}G1 initialisieren – Schritt mit Stern links wird aktivHinweise
- ●AND / UND / && werden automatisch zu *
- ●OR / ODER / || werden automatisch zu +
- ●NOT / NICHT werden automatisch zu !
- ●Analoge / Vergleichs-Ausdrücke nach DIN EN 60848 in eckige Klammern setzen: [C1=8], [Temp>20], [Temp>20]*S1. Der Klammer-Inhalt wird als boolescher Wert ausgewertet.
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